Google kommt nach Hause

In den letzten zwei Jahren hat Google sehr intensiv in Firmenübernahmen investiert. Auf der Einkaufliste standen u.a. Unternehmen aus den Bereichen

  • Big Data,
  • Künstliche Intelligenz,
  • Satelliten-Technik und
  • Roboter.

Darüber hinaus gibt es einen interessanten Zukauf aus dem Bereich Smart Home. Grund genug, das Thema ein wenig zu beleuchten.

Mit Nest hat Google für 3.2 Mrd. US-$ eine Firma übernommen, die Thermostate und Rauchmelder im Portfolio haben. Für 555 Mio. US-$ hat Nest seinerseits mit Dropcam einen Hersteller für Überwachungskameras und Sensoren übernommen. Das Unternehmen hat aktuell 130 Mitarbeiter und wurde erst 2010 von Tony Fadel gegründet. Aktuellen Schätzungen zu Folge verkauft Nest zurzeit etwa jährlich 500.000 Geräte. Analysten gehen davon aus, dass Nest in 2017 bereit 24 Mio. Geräte jährlich verkaufen könnte.

CEO Fadel kam von Apple und hatte seinerzeit das erste iPhone und das iPad gestaltet. So ist es nicht verwunderlich, dass Fadel sehr schön gestaltete Produkte entwickelt hat, denn in der Regel sehen Thermostate eher unspektakulär bis langweilig aus. Design ist wichtig und mitentscheidend für den Kauf – aber erfolgsentscheidend ist die Usability. Wenn Apple eines bewiesen hat, dann einfache und anwenderfreundliche Produkte zu bauen. Aktuelle Home-Steuerungen sind zu kompliziert und 90% der Anwender bedienen diese nicht richtig bzw. haben Probleme damit.

Der Weg ist klar – Google möchte das Smart Home der Zukunft ausstatten und mit dem Internet verbinden. Die Potentiale sind offensichtlich. Gerade im Umgang mit der Regelung von Temperatur gibt es viele Möglichkeiten, Einsparungen zu erzielen. Die Nest-Thermostate sind intelligent, lernfähig und erkennen gewisse Muster, wann die Wärme beispielsweise hoch- und auch wieder heruntergeregelt wurde. Sensoren können weitere Eigenschaften wie beispielweise Temperatur, Aktivität, Luftfeuchtigkeit und Helligkeit ermitteln. So weiß Nest, wann jemand zu Hause ist – und wann nicht. Der gesamte Haushalt lässt sich bequem über eine Smartphone-App steuern.

Ein wichtiger Aspekt ist die Reduzierung des Energieverbrauches, der einen aktiven Beitrag zum Umweltschutz liefert. Darüber hinaus sind Kosteneinsparungen eine mögliche Folge. Jeder hat sich bestimmt schon mal geärgert, dass die Wohnung nach längerer Abwesenheit vielleicht ausgekühlt war oder im anderen extrem, dass man die Wohnung für den Nachbarn umsonst geheizt hat. All diese Szenarien lassen sich zukünftig optimieren und damit auch automatisieren. Somit wird das Heim zunehmend mehr „denkend und intelligent“. Betrachtet man nur mikroskopisch die Wohnung, ist das auf alle Fälle ein Schritt nach vorne. Interessant wird es aber dann, wenn beispielsweise die Thermostate mit dem Kalender und der Navigation verbunden sind. Der Thermostat erkennt dann, wann man außer Haus ist. So sind dann interessante Szenarien möglich, dass die Heizung nach dem Verlassen auf ein Minimum abgesenkt und kurze Zeit, bevor man wieder zu Hause ist, die Heizung wieder entsprechend hochgefahren wird.

Über Suchmaschine, Google-Mail, Cookies und dem Smartphone sammelt Google schon sehr viele Daten der Nutzer. Android, das Betriebssystem von Google ist bereits heute das am weitesten verbreitete Betriebssystem auf den Smartphones und es wird seinen erfolgreichen Weg in weitere Geräte, wie beispielsweise die Nest-Geräte, fortsetzen. Mit Nest werden diese Informationen um wichtige Daten aus dem Haushalt und den persönlichen Gewohnheiten erweitert.

Heute gibt es einfach noch viele manuelle Handgriffe, auf die man zukünftig vielleicht verzichten kann. Viele dieser Szenarien scheinen heute noch sehr weit entfernt und der eine oder andere fragt sich vielleicht, ob das alles notwendig oder sinnvoll ist. Manchmal muss man dazu einfach mal die Uhr ein paar Jahrzehnte zurückdrehen. Dort gab es noch keinen Staubsauger und es war normal, den Teppich außerhalb der Wohnung auszuklopfen. Ein Geschirrspüler war ebenfalls nicht vorhanden und es war normal, dass Geschirr mit der Hand zu spülen. Heute gehören Staubsauger und Geschirrspüler selbstverständlich in jeden Haushalt und daher wird sich mit einer hohen Wahrscheinlichkeit, die neue Technik auch in unserem Haushalt schrittweise durchsetzen.

Die möglichen Szenarien lassen sich beliebig weiter ausbauen. So können die Jalousien automatisch nach bestimmten Regeln wie Tageszeit, Wetter und Lichteinfall gesteuert werden. Der Kühlschrank ist auch ein interessanter Gegenstand, der den Inhalt kennt, mögliche Rezeptvorschläge unterbreitet oder Bestellvorgänge für den Lieferservice auslöst. Das Licht geht beim Betreten eines Raumes automatisch an und beim Verlassen wieder aus. Die Waschmaschine wäscht die Wäsche zum günstigsten Stromtarif und das komplette Entertainment ist ebenfalls im Smart Home integriert, läßt sich zentral mit der Smartphone App steuern. Dabei stehen alle Mediainhalte wie Musik, Fotos und Videos in jedem Raum entsprechend zur Verfügung.

Dennoch ist es wichtig, bei aller Begeisterung für technische Möglichkeiten diese kritisch zu betrachten und zu hinterfragen. Alle Fragen rund um das Thema Daten, deren Verwendung sowie der Schutz der Persönlichkeit müssen immer präsent sein und kritisch betrachtet werden. Wie immer im Leben hat eine Medaille zwei Seiten. So gibt es auch viele positive Effekte. Es lassen sich Zeit und Kosten einsparen und die Lebensqualität erhöhen.

Neu ist das ganze Thema Smart Home nicht. Im Artikel „WOHNEN – Schlaue Schalter“ wurde bereits 2001 davon berichtet. Aber manche Ideen sind einfach zu früh am Markt und so mussten wohl erst noch etwa 15 Jahre vergehen. In dieser Zeit haben sich Technologien wie Smartphone, Social Media, Bandbreite und Cloud mit großen Schritten weiter entwickelt und bieten heute ganz andere Voraussetzung, als das zu Beginn des Jahrtausends noch der Fall war. Es wird also weiterhin spannend sein zu beobachten, wie sich dieses Thema entwickelt.

3 Antworten zu “Google kommt nach Hause

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